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Die größten Fehler der “Rechtschreibreform”

Bei dem, was zum 1. August 2005 in ein rechtliches Gewand gekleidet werden und gegenüber Schülerinnen und Schülern in Deutschland, Österreich und der Schweiz Geltung besitzen soll, handelt es sich weder um Rechtschreibung noch um eine Reform.

Rechtschreibung ist es nicht, weil das richtige Schreiben nur vom gesamten Volk bzw. von der Bevölkerung ausgehen und festgelegt werden kann und eine staatlich eingesetzte Kommission nicht bestimmen darf, wie recht oder richtig geschrieben wird. So hat gerade der Duden bis zur 21. Auflage im Jahre 1991 die Schreibung immer nur nachgezeichnet, aber nie vorgeschrieben. Wenn man die Grundauffassung der Rechtschreibkommission zu Ende denkt, die davon ausgeht, daß nur das, was die Kommission für richtig hält, auch richtig sei, kommt man zu dem Schluß, daß sämtliche schriftlich niedergelegten Dialekte nicht richtig sein können, weil die Kommission sie nicht in ihren Kanon miteinbezogen hat. Eine solche Auffassung entspringt einem sozialistischen Sprachverständnis, in dem eine Kommission erst das Schreiben und später das Denken festlegt und diktiert.

Eine Reform ist es nicht, weil man eine Reform nur dann aus der Taufe hebt, wenn ein Zustand, im Gesamtzusammenhang gesehen, den Lebensumständen nicht mehr gerecht wird und sich deswegen als verbesserungswürdig herausgestellt hat. Niemand in der deutschsprachigen Bevölkerung wird bestreiten, daß ihm die deutsche Sprache derart “aus den Zügeln glitt”, daß man sich sprachlich nicht mehr oder nicht mehr ausreichend mitteilen könne. Es ist deswegen nicht erkennbar, daß eine langjährig praktizierte und aufgrund dauernder Übung von der weitaus überwiegenden Mehrheit in der Bevölkerung akzeptierte Rechtschreibung verbesserungswürdig ist. Erst recht ist es keine Reform im juristischen Sinne (z.B. Rechtsreform), weil es bisher noch kein an formellen Gesetzen oder Verordnungen angelehntes Regelwerk für die deutsche Rechtschreibung gab.

Zu den Fehlern dieser Rechtschreibreform zählt u.a., daß sie von Politikern bzw. von Kultusbürokraten initiiert und vorangetrieben wurde, daß sie zu schnell kam, daß sie zu komplex kam, daß sie “unausgegoren” und nicht zu Ende gedacht war und daß sie in nicht wenigen Fällen ihre von der Kommission aufgestellten Grundsätze selbst nicht beachtet und folglich widersinnig war. Der größte Fehler aber war, daß sie überhaupt gekommen ist.

Warum es falsch ist, die Rechtschreibung von Politikern neu regeln zu lassen
Politiker haben sich an der deutschen (Schrift-)Sprache vergangen. Das ist ein großer Fehler der Rechtschreibreform. Politiker haben dem deutschen Bürger seine Währung in Form der D-Mark genommen, Politiker haben Deutschland finanziell und wirtschaftlich ruiniert. Jetzt haben Politiker auch die deutsche Sprache und Rechtschreibung vergewaltigt. Nur in den seltensten Fällen haben Politiker etwas Gutes vollbracht. Die Rechtschreibreform zählt sicherlich nicht dazu.

Warum es ein Fehler ist, die Rechtschreibreform so schnell durchzuziehen
Die Deutschen wollen ihre gewohnten Schriftbilder behalten. Die Deutschen wollen ihre erlernte deutsche Sprache behalten, in der sie sich verständigen und mitteilen. Die Deutschen haben andere Probleme, als sich jetzt neue Schriftbilder und eine neue deutsche Sprache überstülpen zu lassen. Sprache - und insbesondere Schriftsprache - muß in einem längeren Evolutionsprozeß wachsen und reifen. Sechs, acht oder zehn Jahre sind nur verhältnismäßig kurze Zeiträume - zu kurz um einen natürlichen Wachstums- oder Entwicklungsprozeß zu ermöglichen.

Warum sie zu komplex kam
Wer alles will, bekommt gar nichts, sagen viele Elternhäuser, wenn man pädagogisch mäßigend auf die Schützlinge einwirken will. Die Rechtschreibkommission wollte neben der veränderten Rechtschreibung und der neuen Getrenntschreibung auch noch die Zeichensetzung “novellieren”. Wer sich innerhalb kurzer Zeit so viel “Arbeit auflädt”, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese “Reform” in der Bevölkerung auf Ablehnung stößt, wenn sie “mit heißer Nadel gestrickt” wurde und folglich voller Ungereimtheiten steckt. Der seit 17. Dezember neugeschaffene Rat für deutsche Rechtschreibung, geht jetzt wenigstens wieder einen Schritt in die richtige Richtung, in dem er die gegen alle Grenzen der Logik verstoßende Getrenntschreibung aufheben wird und auch in der Zeichensetzung auf die klassische Form zusteuert. In diesem Zusammenhang muß dann die Frage erlaubt sein, ob man eine Rechtschreibreform noch Rechtschreibreform nennen kann, von der bis auf wenige Rechtschreibvarianten nichts mehr übrigbleiben wird.

Warum die sogenannte ‘neue Rechtschreibung’ nicht zu Ende gedacht war
Beispiel: ‘Numerieren’ soll nach der sogenannten ‘neuen Rechtschreibung’ mit zwei ‘m’ geschrieben werden, weil man das Wort auf die ‘Nummer’ zurückführen will. Bei präziser Beobachtung beschreibt das Wort ‘numerieren’ aber einen Vorgang, der erst später zu einer oder mehreren Nummern führt. Wer etwas numeriert, vergibt eine oder mehrere Nummern. Das bedeutet, daß es während des Numerierungsvorganges noch gar keine Nummer bzw. noch gar keine (abschließende Zahl von) Nummern gibt. Also: erst numeriere ich und erhalte als Ergebnis eine Nummer oder mehrere Nummern. Wer ‘numerieren’ mit zwei ‘m’ schreibt, trennt sprachlich nicht zwischen Vorgang und Ergebnis, sondern verwischt diese wichtige Unterscheidung. Zweites Beispiel: Das Wort ‘aufwendig’ soll ab 1. August 2005 mit einem ‘ä’ (statt eines ‘e’) geschrieben werden, weil man es nach der sogenannten ‘neuen Rechtschreibung’ auf den Aufwand zurückführt. In Wirklichkeit kommt ‘aufwendig’ von ‘aufwenden’, so daß gilt: ich muß erst etwas aufwenden (was gleichsam aufwendig ist), um daraufhin - als Ergebnis oder als Folge - einen Aufwand zu haben. Wer ‘aufwendig’ mit ‘ä’ schreibt, muß dann konsequenterweise ‘Aufwendung’ ebenfalls mit ‘ä’ schreiben. Auch in diesem Beispiel wird Ursache und Folge sprachlich vermengt. Wer sich dennoch davon nicht abhalten lassen will, muß dann folgerichtig auch das Wort ‘legen’ regelmäßig in ‘liegen’ umformen, denn ‘legen’ beschreibt den Vorgang, als dessen Ergebnis danach etwas ‘liegt’. Demzufolge dürften die Anhänger der sogenannten ‘neuen Rechtschreibung’ nur das Wort ‘grundliegend’ anerkennen und müßten ‘grundlegend’ aus ihrem Vokabular streichen.
Mit der Reformierung der Rechtschreibregeln ging bekanntlich auch eine neue Getrenntschreibung einher. Man schreibt jetzt nicht mehr ‘weiterverkaufen’ zusammen sondern nur noch getrennt ‘weiter verkaufen’, obwohl gerade durch das Getrenntschreiben eine völlig andere Bedeutung zutage tritt. Unter dem getrennt geschriebenen ‘weiter verkaufen’ versteht jedermann ein ‘weiterhin verkaufen’ oder ‘nach wie vor verkaufen’. Unter dem zusammengeschriebenen ‘weiterverkaufen’ versteht man das Durchreichen einer Ware in einer Lieferanten- oder Kundenkette: ich habe die Ware ‘x’ von meinem Lieferanten bezogen und werde sie jetzt an meinen Kunden ‘y’ weiterverkaufen. Diese wichtige Unterscheidung löscht die Rechtschreibreform aus und nivelliert damit die Sprache und das Wortverständnis.
Niemand hat etwas gegen ein Vereinfachen der deutschen Sprache, wenn dabei der ursprüngliche Sinn beibehalten und nicht verfälscht wird. Hier wird mit dem falschen Argument einer Vereinfachung der deutschen Sprache diese Sprache aber ihrer Vielfältigkeit und Unterscheidbarkeit in Wesenszügen und grundlegenden Gedanken beraubt.

Beispiele, warum die reformierte Neuschreibung die von der Kommission aufgestellten Grundsätze selbst nicht beachtet
Warum darf man ‘Paragraph’ nach sogenannter ‘neuer Rechtschreibung’ am Ende mit ‘f’ (statt eines ‘ph’) schreiben, aber Katastrophe weiterhin nur mit ‘ph’? Warum schreibt man gleichfalls ‘Orthographie’ statt ‘ph’ mit ‘f’, wechselt aber beim ‘Philosoph’ - vorne wie hinten - nicht zum ‘f’? Warum wird der ‘Tip’ (Anglizismus für ‘Wink’ oder ‘Hinweis’) mit zwei ‘p’ “zwangsverdeutscht”, der ‘Trip’ (Anglizismus für ‘kurze Reise’) oder der ‘Strip’ (Anglizismus für ‘Sich-Ausziehen’) jedoch nicht? Wäre es diesbezüglich nicht besser (weil logischer), den ‘Tip’ - als Anglizismus für ‘Wink’ oder ‘Hinweis’ - weiterhin mit einem ‘p’, dafür aber das Lottospiel als ‘Tipp’ mit zwei ‘p’ zu bezeichnen, weil man ‘tippen’ im Volksgebrauch ohnehin mit ‘Lotto spielen’ gleichsetzt? Warum wird ‘vierjährig’ ohne Bindestrich, ‘4-jährig’ jedoch mit Bindestrich geschrieben? Aus dem ‘Alptraum’ machen diese “Rechtschreibverbesserer” einen ‘Albtraum’, weil sie von der angeblichen Bezugnahme zu den ‘Alpen’ als einem Gebirge Distanz schaffen wollen. Sie haben aber nicht bedacht, daß sich die Schwäbische Alb mit ‘b’ schreibt, und man nunmehr wieder bei einem Gebirge, wenn auch “nur” Mittelgebirge bleibt. So beißt sich die Katze in den berühmten Schwanz.

Warum es ein Fehler ist, die Rechtschreibreform überhaupt voranzutreiben
Warum die Rechtschreibreform überhaupt kam, wissen wohl nur die Reformeiferer selbst. Otto Normalbürger sah und sieht bis heute keine Notwendigkeit für eine Reform der deutschen Rechtschreibung. Das bestätigen alle Umfragen der letzten Jahre. Weil die Reformeiferer in den vergangenen Jahren jedoch ausgerechnet die nicht vorhandene Notwendigkeit für eine Neuregelung anführten und andere Antworten von ihnen nicht zu bekommen sind, kann man den wirklichen Willen, der hinter der Rechtschreibreform steht, nur vermuten. Die einen unter den Kritikern sagen, daß die Diskussion um die Rechtschreibreform von den wirklichen Problemen der derzeitigen Bundesregierung ablenken soll. Die anderen sehen darin den Beginn einer bewußten und gesteuerten Veränderung des politischen und gesellschaftlichen Systems in Richtung auf einen sozialistisch gelenkten Staat hin (Umerziehung: “Wer sich der Sprache bemächtigt, lenkt das Volk!”), in dem eine mächtige Bürokratie aufgebaut wird und der Staat für den Bürger jeden Lebenssachverhalt bis ins Detail hinein unter Verlust von Lebensqualität, Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit genau regelt. Wieder andere vermuten, die präzise und facettenreiche deutsche Sprache durch eine kontrolliert herbeigeführte Vereinfachung und Egalisierung für hier lebende Ausländer zu öffnen, damit diese Ausländer sich in einer vereinfachten und auf wenige Wesenszüge reduzierten deutschen Sprache genauso leicht verständlich machen können, wie sie es in ihrer Muttersprache tun. Unabhängig davon, ob man sich einem der vorgenannten Argumente anschließt, muß jede Vereinfachung der deutschen Sprache in einer zunehmenden Komplexität der Phänomene in dieser Gesellschaft ausschließlich kontraproduktiv in Richtung eines wachsenden sprachlichen Unvermögens bis hin zum Unverständnis wirken.
Dadurch, daß die reformierte Neuschreibung überhaupt gekommen ist, wurde die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der deutschen Rechtschreibung aufgehoben und so der deutschen Sprache und Schriftsprache auf Jahre hinaus ein schwerer Schaden zugefügt. Durch die Rechtschreibreform verunsichert, schreiben viele Bürger jetzt vermehrt in einer Schreibung, die weder der klassischen noch der reformierten Neuschreibung zuzuordnen ist. Dieser Zustand ist sehr gefährlich, weil er sich jeder Beliebigkeit öffnet und die sprachliche Systematik vollends auf den Kopf stellt. Überdies ist er auch nicht zweckdienlich, denn die Verunsicherung nutzt gerade der reformierten Neuschreibung nicht. Neuschreiblinge müssen sich jetzt beispielsweise folgende Vorwürfe anhören: “Guck ‘mal, vorher konnte er schon nicht richtig schreiben. Aber jetzt kann er das gar nicht mehr.”

 

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Die größten Fehler der Rechtschreibreform (pdf, 15,4 kB)

 

 

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