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Rechtschreibung

Der BERNS photographie Verlag wendet die formell seit Juli 1996 von einer staatlich eingesetzten Kommission beschlossene, im August 1998 eingeführte, vielfach kritisierte und bis heute höchst umstrittene reformierte Rechtschreibung - inklusive der neuen Getrenntschreibung und der geänderten Zeichensetzungsregeln - nicht an. Sämtliche schriftenthaltenden Produkte des Verlages werden nach den Regeln der Rechtschreibung veröffentlicht, die vor dem Jahre 1996 galt, weiterhin gilt und auch nach Juli 2005 noch gelten wird. Insbesondere liegt diesen Regeln der Duden in seiner 21. Auflage aus dem Jahre 1991 zugrunde.

Die Entscheidung des Verlages basiert - noch nicht abschließend - auf folgenden grundsätzlichen Gedanken und Argumenten:

  1. Die deutsche Sprache, insbesondere die Schriftsprache, gehört allen deutschsprechenden Menschen. Sie darf nicht von einigen wenigen als Instrument eingesetzt werden (besser: mißbraucht werden), und sie läßt sich vor allem nicht von einer Kommission, sei es eine (halb-)staatliche oder eine staatlich eingesetzte, willkürlich vereinnahmen bzw. zur Disposition stellen.

  2. Sprache kann und darf nicht von Staats wegen verordnet werden, gewissermaßen "von oben herab". Sprache läßt sich nicht de lege lata reformieren. Sprache ist ein lebendiges Kulturgut. Sprache muß wachsen.

  3. Worte haben kein Verfallsdatum. Es ist nicht einzusehen, warum Worte bis zu einem vorbestimmten Datum noch gültig sein sollen (hier: bis zum Juli 2005) und danach nicht mehr oder nicht mehr so geschrieben werden dürfen, mag zuvor auch ein längerer Übergangszeitraum gewährt worden sein.

  4. Lesende und Schreibende wollen nicht auf ihre gewohnten Schriftbilder verzichten. Gewohnte Schriftbilder sind Bestandteil einer gewachsenen Schreibkultur. Die zwangsreformierte Neuschreibung zerstört gewohnte Schriftbilder und gewachsene Schreibkultur.

  5. Es gibt gar nicht die ‘neue Rechtschreibung’. Seit Beginn der Rechtschreibreform haben Verlage, die reformiert schreiben wollten, bestimmte Regeln übernommen und andere nicht angewendet. Da nicht jeder Verlag die gleichen Regeln übernahm bzw. nicht anwendete, führte das über die Zeit zu ”Parallelschreibungen”. Ein Leser, der gestern diese und heute jene Zeitung bzw. Zeitschrift las, mußte sich jedesmal umstellen, was zu einem ”Lesebrei”, ”Sprachbrei” oder - offen gesagt - zu einem Rechtschreibchaos führt. Deswegen kann man nicht von der ‘neuen Rechtschreibung’ sondern nur von einer sogenannten ‘neuen Rechtschreibung’ als Sammelbecken unterschiedlicher reformierter Schreibrichtungen sprechen.

  6. Die überwiegende Mehrheit in der deutschen Bevölkerung lehnt nach Umfragen des Institutes für Demoskopie in Allensbach eine reformierte Rechtschreibung nach wie vor ab. Waren es im April 2002 noch rund 56% der Bevölkerung, die sich gegen die Rechtschreibreform stellten, so stieg dieser Anteil im September 2004 auf 60%. 29% wollten im April 2002 die sogenannte ‘neue Rechtschreibung’ beibehalten. Im September 2004 waren es nur noch 26%.
Nach einer Ende Juli 2004 veröffentlichten Umfrage des Emnid-Institutes lehnen sogar 77% der Deutschen die neuen Rechtschreibregeln entschieden ab. Nur 28% sprechen sich dafür aus, die neuen Regeln ab August 2005 in Kraft zu setzen.

  7. In deutschen Verlagen und unter deutschen Autoren wird noch immer ein stiller Krieg ausgefochten. Während Neuauflagen von Fachbüchern häufig bereits in der sogenannten 'neuen Rechtschreibung' erhältlich sind, überlassen die Verlage im Bereich der Belletristik (= der schöngeistigen Literatur) den Autoren die Wahl. Diese bleiben weitestgehend der klassischen Rechtschreibung treu (siehe auch Frankfurter Appell). Wenn auch bei den Fachbüchern vermehrt wieder ein Umschwenken auf die klassische Rechtschreibung zu vermelden ist, so besteht dennoch eine Zweigleisigkeit und sogar eine Spaltung der deutschen Rechtschreibung.

  8. Die Kultusministerkonferenz hatte sich zum Ziel gesetzt, durch eine Vereinfachung der Rechtschreibung die Zahl der Fehler zu reduzieren. Das genaue Gegenteil ist eingetreten: der Verlust der gewohnten Schriftbilder, die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung und nicht zuletzt die zunehmende Verunsicherung unter den Schreibenden haben zu mehr Fehlern im Vergleich zur Situation vor 1996 und zu einer komplizierteren Lage bis hin zum Rechtschreibchaos geführt. Selbst Verlage, die sich der reformierten Schreibweise verschrieben (z.B. die WAZ-Gruppe oder der Süddeutsche Verlag), driften täglich mehrmals in die klassische Schreibweise ab, was voraussichtlich ab August 2005 zu einer fehlerhaften Schreibweise führen wird.

  9. Die sog. 'neue Rechtschreibung' sollte eine Vereinfachung der deutschen Schreibweise mit sich bringen. Eine Vereinfachung im Schreiben bringt in der Regel auch eine Vereinfachung im Denken mit sich. In einer immer komplizierteren Gesellschaft (unterschiedliche Bildungshorizonte, unterschiedliche Kulturen, "Parallelgesellschaften" etc.) müssen Problemkomplexe und Probleme im wesentlichen auch über die Sprache gelöst werden. Zwangsläufig paßt sich die Sprache den komplexen Themen an. Eine nivellierte Sprache, so wie sie die sogenannte 'neue Rechtschreibung' anwendet ("die deutsche Sprache wird einfacher"), senkt das Niveau der Sprache und führt zu neuen Problemen, zu Unverständnis bis hin zur Verständnislosigkeit. Ja, die sogenannte 'neue Rechtschreibung' ist kontraproduktiv.

  10. Die neue Getrenntschreibung von zusammengesetzten Wörtern wirkt sinnentleerend. Unterschiedliche Wortbedeutungen werden durch die neue Getrenntschreibung eliminiert. Es ist doch ein Unterschied, ob ein Richter ‘freispricht’ oder ob er ‘frei spricht’ und ob Europa ‘zusammenwächst’ oder ob es ‘zusammen wächst’ und ob ein befreundeter Jäger meinen Hund ‘kurzhält’ oder ihn ‘kurz hält’. Durch die neue Getrenntschreibung würde die deutsche Sprache ausdrucksärmer werden.

  11. In einem Ende Februar 2002 verfaßten, aber unter Verschluß gehaltenen Papier hat die Rechtschreibkommission festgehalten, daß weite Teile der sogenannten ‘neuen Rechtschreibung’ voller Widersprüche stecken, und hat die neue Getrenntschreibung in nahezu fast einmütiger Vollständigkeit zurückgenommen.

  12. Auch nach Auffassung von Antje Vollmer, stellvertretende Bundestagspräsidentin und kulturpolitische Sprecherin der Grünen, habe die Rechtschreibreform "von Anfang an Züge von Willkür" getragen. Man könne eben die deutsche Schriftsprache nicht gegen die überwiegende Mehrheit all derer verändern, die sie, wie etwa Schriftsteller und Dichter, besonders intensiv nutzten. "Wenn die überwiegende Zahl der Menschen sagt: Es entspricht unserem Schönheitsgefühl, bei der alten Form zu bleiben, dann ist es für die Politik besser, einen Fehler zu korrigieren, als auf ihm zu beharren." Selbst Otto Schily, Bundesinnenminister, habe ”Verständnis für diese Initiative” zur Abschaffung der sogenannten ‘neuen Rechtschreibung‘ gezeigt. Der ehemalige bayerische Kultusminister Zehetmaier, seinerzeit ein ausgesprochener Befürworter der Reform: ”Ich würde die Sache heute ganz zum Scheitern bringen.”

  13. Unter vielen Autoren (z.B. Martin Walser, Adolf Muschg und Georg Klein), die mit der deutschen Sprache täglich intensiv umgehen, wird der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger besonders drastisch. Lehrer würden wider besseres Wissen ”sklavisch” an den unsinnigen Vorschriften festhalten (gemeint ist die sog. ‘neue Rechtschreibung’), Verleger und Redakteure hätten sich ”dieser deutschen Hanswurstiade” in vorauseilendem Gehorsam gebeugt und die ”Idiotie dieser verordneten Reform” stehe seit langem fest, schreibt Enzensberger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er fügt hinzu: ”Politisch bemerkenswert ist jedoch die Unbelehrbarkeit der ministerialen Ignoranten und die Feigheit derer, die ihnen auf die servilste Art und Weise gehorchen.”

  14. Nach einer am 6. September 2004 vom Leipziger Sprachforscher Harald Marx bekanntgegebenen neuen Studie führt die sogenannte ‘neue Rechtschreibung’ in der Grundschule zu mehr Fehlern im Diktat. Marx hatte zwischen 1996 und 2004 Diktate von 1.200 sächsischen und niedersächsischen Grundschülern ausgewertet. Drittkläßler hätten dabei 2004 bis zu 13 Prozent mehr Fehler gemacht als 1996, bei Viertkläßlern seien es sogar 22 Prozent gewesen. Die Fehlerquote sei besonders hoch bei der Entscheidung, ob sich ein Wort mit 's', 'ss' oder 'ß' schreibe.

  15. Sprache und Rechtschreibung dürfen nicht in den Focus der Politik verrückt bzw. gerückt werden. Bei Verfolgung der Diskussion um eine Reformierung der Rechtschreibung fällt insbesondere in den letzten acht Jahren auf, daß Sprache und Rechtschreibung zunehmend politisiert bzw. zum Politikum gemacht worden sind. Wenn auch der eine oder andere Politiker ausscherte, so kann doch grds. festgestellt werden, daß die überwiegende Mehrheit der Befürworter einer Rechtschreibreform aus dem sozialdemokratischen Lager und die der Gegner aus dem bürgerlichen bzw. christdemokratisch/liberalen Lager kommt. Die negativen Auswirkungen einer solchen Lagerbildung kann man sehr gut am Beispiel von Doris Ahnen (SPD), Kultusministerin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz im Jahr 2004, in einem Interview mit dem ‘Spiegel’ Mitte November 2004 erkennen (siehe nebenstehende Datei “Wir werben um die Kritiker”). Selbst die schlagkräftigsten Argumente, die die beiden ‘Spiegel’-Redakteure aufzeigen und die massiv gegen eine Beibehaltung der reformierten Neuschreibung sprechen, können Ahnen nicht dazu bewegen, sich zumindest einmal ein bißchen zurückzunehmen und selbstkritisch über die Aussichtslosigkeit ihres Handelns zu reflektieren. Wie anders, wenn nicht von Borniertheit und politischer Ideologie geprägt, kann man ein solches Verhalten Doris Ahnens bezeichnen?

  16. Auch das letzte Argument der Rechtschreibreformer, die neuerliche Umstellung auf die klassische Rechtschreibung würde immense Kosten verursachen, greift nicht. Denn so, wie der Umstieg 1998 auf die sogenannte ‘neue Rechtschreibung’ im Schulbuchbereich Schritt für Schritt und auf sanfte Weise vonstatten ging, kann auch der Umstieg zurück zur klassischen Rechtschreibung wieder vorgenommen werden.

  17. Bevor eine Reformierung der Rechtschreibung notwendig würde, wäre es angebrachter, die deutsche Sprache von Anglizismen zu befreien. Will ich mit der Eisenbahn, dem Bus oder der Straßenbahn fahren, kaufe ich eine Fahrkarte oder einen Fahrschein aber kein "Ticket". Wer mit seinem Auto zu einer Fachmesse fährt, benutzt zwischen Parkplatz und Messegelände einen Zubringer aber keinen "Shuttle". Ich entspanne mich, aber "relaxe" nicht. Ich gehe zum Einkaufen, aber nicht zum "Shopping". Derlei Negativbeispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Wer Anglizismen benutzt, muß sich - wie z.B. im Fall des o.g. Begriffs ‘Ticket’ - darüber im klaren sein, daß der Fahrschein durch den englischsprachigen Begriff nicht aufgewertet wird. Wer jedoch glaubt, der kleine Papierstreifen gewinne durch die Bezeichnung 'Ticket' an Bedeutung, muß wissen, daß ein Fahrschein immer ein Fahrschein, eine Fahrkarte immer eine Fahrkarte bleibt und nicht tickt.

Vorläufiges Fazit: Deutschland hat andere Sorgen und braucht keine Rechtschreibreform. Andere Reformen sind wichtiger. Die Rechtschreibreform ist keine Verbesserung sondern ein Rückschritt. Die Rechtschreibreform ist eine Schlechtschreibreform.

 

© BERNS photographie Verlag, 2014